Mitte Dezember fand die Verabschiedung der langjährigen Mitarbeiterin Anita Lurz in ein Sabbatical-Jahr, dass direkt in den wohlverdienten Ruhestand mündet, statt. Der Gartensaal in Creglingen im Kinder- und Familienhaus der Einrichtung platze fast aus allen Nähten. Viele Kolleg:innen, Weggefährten und Kooperationspartner:innen aus dem Landratsamt Main-Tauber-Kreis, rund um den Jugendamtsleiter Martin Frankenstein und ASD-Leiterin Martina Knödler ließen es sich nicht nehmen, um Anita Lurz gebührend zu verabschieden.
Nach 28 Jahren bei der Jugendhilfe Creglingen konnte man immer auf sie bauen und zählen. Gestartet im Februar 1997 mit der Personalnummer 20 war sie zunächst Gruppenerzieherin am alten Standort im Kloster Frauental. Bald hieß es „Anita mach Du es“, was ihre hohe Kompetenz, ihre Lösungsideen und ihren Einsatzwillen zum Ausdruck brachte. Nach und nach wurden ihr mehr Aufgaben übertragen, so dass sie zunächst Gruppen- und schließlich Bereichsleiterin für die stationären Hilfen wurde. Bemerkenswert war ihr Einsatz in der Zeit mit den unbegleiteten minderjährigen Ausländern ab 2015. Sie schaffte es mit ihren Mitarbeiter:innen, an einem Tag eine komplette Wohngruppe aufzubauen. Als eine der ersten Mitarbeiter:innen besuchte sie zahlreiche systemisch-pädagogische Weiterbildungen. Bereits zuvor beherrschte sie die systemische Haltung intuitiv. Bei allem was sie tat, war sie mit vollem Einsatz dabei. In den letzten Jahren war sie für die fachliche pädagogische Leitung und Weiterentwicklung der Einrichtung zuständig. Ein letztes großes Werk war der Blick auf den Kinderschutz, der ihr sehr am Herzen liegt. Unter dem Motto „Schau hin! Hör zu! – Sei mutig!“ erstellte sie mit einigen Mitstreiter:innen ein einrichtungsweites Gewaltschutzkonzept, durch das jede Mitarbeiter:in auf das Thema Kinderschutz sensibilisiert werden soll.
Werner Fritz, Geschäftsführer der Jugendhilfe Creglingen begrüßte die Gäste aus Anita Lurz langjähriger Tätigkeit und beschrieb ihren Berufsweg bei der Einrichtung. Da die künftige Rentnerin viel reist, nahm er den Papageientaucher aus Island als Metapher, der sehr viele gute Eigenschaften in sich trägt. Er dankte Anita Lurz für ihren hohen außergewöhnlichen Einsatz. Der Jugendamtsleiter Martin Frankenstein würdigte ihre Tätigkeit und dankte im Namen des Landratsamtes für die jahrzehntelange Kooperation. Anita Lurz ging es aus seiner Sicht immer um die Kinder, Jugendlichen und Familien und sie ging in die tägliche Auseinandersetzung mit ihnen. Viele Biografien hat sie maßgeblich mitgeprägt und positiv beeinflusst. Nie habe sie sich geschont, wenn es nötig war. „Erziehung ist Vorbild und Liebe-sonst nichts“. Das Zitat von Friedrich Fröbel hat auf den Punkt gebracht, was Erziehung bedeutet. So hat das Jugendamt Anita Lurz kennengelernt „Vorbild sein und an die Zukunft zu denken“. Für ihre Zukunft wünschte er „ihr lange Jahre bei guter Gesundheit.“
Die Vereinsvorsitzende der Jugendhilfe Creglingen Sabine Kutterolf-Ammon dankte Anita Lurz im Namen des Vorstandes für ihre Verlässlichkeit, Stabilität, Klarheit und Haltung, besonders in schwierigen Situationen. Über ihre Arbeit mit den Familien hinaus leistete sie Großes. Sie entwickelte die Einrichtung mit und hatte auch immer einen guten Blick auf ihre Teams und deren Befindlichkeiten. Anita Lurz hat nicht auf perfekte Rahmenbedingungen gewartet, sondern angepackt. Sie konnte Verantwortung übernehmen und zeigte stets einen sehr hohen Einsatz. Für den neuen Lebensabschnitt wünschte Frau Kutterolf-Ammon ihr die eigene Lebensgestaltung in den Vordergrund zu stellen. Auch die Betriebsratsvorsitzende Barbara Knorr fand nur wertschätzende Worte für die angehende Ruheständlerin. Für den Betriebsrat dankte sie für die Zeit in der Einrichtung und wies daraufhin, dass Anita Lurz auch selbst dem Betriebsrat angehörte. Stets ging es ihr um das Wohl aller und ein gutes Miteinander. Mit ihrer Herzlichkeit, Wärme und Offenheit war sie stets ein Wegbegleiter für die betreuten Kinder, Jugendlichen und Familien.
Aufgelockert wurde der Nachmittag mit einer Tanzeinlage der Creglinger Wohngruppen, einem als Videoclip-vertonten Gedicht und einigen musikalischen Beiträgen von Kollegen und Jugendlichen. Die Creglinger Wohngruppen bescheinigten ihr, dass sie eine „besondere Bereichsleiterin war, die immer mit einem auf Augenhöhe war.“
Zum Schluss ergriff Anita Lurz selbst das Wort und bedankte sich für den schönen Tag und die tollen wertschätzenden Beiträge. Nach 10 560 Tagen in der Einrichtung verabschiedete sie sich mit einem Rückblick auf diese Zeit. Sie habe viele Erfahrungen gesammelt und sich vielen fachlichen sowie menschlichen Herausforderungen gestellt. Es hat sich immer gelohnt und es ist wichtig, ein Leben lang dazuzulernen. Für ihren Nachfolger Michael Wörrlein hatte sie nur die besten Wünsche und überreichte ihm einen Cowboyhut, da er künftig „den Hut als Bereichsleiter aufhat“.